Poker-Streamer Felix Schneiders über sein EPT-Finale in Paris, Emotionen am Rail und die Jagd nach der nächsten Trophäe
GRND on Tour: Felix, zurück aus Paris. Herzlichen Glückwunsch. Wie fühlt es sich an?
Felix: Es ist immer noch total unwirklich. Ich sitze jetzt hier in Köln in meinem eigenen Studio an meinem Pokertisch und kann nicht ganz begreifen, dass ich wirklich am Final Table der EPT in Paris gesessen habe. Eine Tour, die ich seit Jahren kommentiere oder gelegentlich spiele – meist mit einem frühen Aus.
Und plötzlich sitzt du dort im Heads-up, die Trophäe steht direkt neben dir. Ich habe heute erst die ganzen Fotos heruntergeladen, gepostet und überall hochgeladen – und kann es immer noch nicht ganz fassen.
Dazu kam, dass all meine Jungs an der Rail standen und mich angefeuert haben. Das ist eine Erinnerung fürs Leben. Einfach unglaublich.
„Diesmal hing ich nicht am Titel“
GRND on Tour: Wenn man sich zurückerinnert: In Hamburg gab es einmal eine ähnliche Heads-up-Situation. Trotzdem wirkte dieses Finale anders. Du schienst gar nicht enttäuscht, den Titel nicht gewonnen zu haben – eher stolz.
Felix: Absolut. Ich musste tatsächlich öfter an Hamburg denken. Die Situation war ähnlich: Heads-up, Chipstände relativ ausgeglichen, harter Kampf. Auch damals war die Community da und hat mich angefeuert.
Aber diesmal war der Vibe komplett anders. Es war ernster, fokussierter – ich war mehr im Tunnel. Und ich hatte das Gefühl: Egal, was passiert, ich hänge nicht an diesem Titel.
In Hamburg war das noch anders. Damals dachte ich ständig daran, wie viel diese Trophäe für den Stream bedeuten würde. Wie cool es wäre, sie zu gewinnen.
Diesmal habe ich darüber gar nicht nachgedacht. Für mich war klar: Wir haben eigentlich schon gewonnen. Wir sitzen im Heads-up eines EPT Main Events – etwas, das ich vor vier Jahren sofort unterschrieben hätte, selbst wenn man mir gesagt hätte, ich starte mit großem Chiprückstand.
Dass das jetzt wirklich passiert ist, fühlt sich immer noch surreal an.
„Die Jungs hinter mir haben mir Kraft gegeben“
GRND on Tour: Man hat auch gesehen, wie sehr deine Leute an der Rail mitgefiebert haben. Hat dir das zusätzliche Energie gegeben?
Felix: Total. Besonders wichtig war, dass mein Coach Manuel „Brauni“ vor Ort war. Er wusste immer genau, wie er mit mir sprechen muss – ob ich gerade einen Push oder eher Beruhigung brauche.
Er hat jede Hand verfolgt und genau gespürt, wie ich drauf bin.
Und die anderen Jungs haben dasselbe gemacht. Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen, dass dieser unglaublich positive, lockere Vibe entstanden ist. Ich hatte das Gefühl, dass ich dort mit einer ganzen Crew antrete.
Das hat mir enorm geholfen – und ich glaube, für die Gegner ist das auch nicht ganz angenehm, wenn hinter jemandem so eine Unterstützung steht.
Coinflips um sechsstellige Beträge
GRND on Tour: Es gab einige extrem spannende Momente – etwa die großen Coinflips.
Felix: Ja, das waren im Grunde 100.000-Euro-Flips. Wenn man sich das vor Augen führt, ist das schon absurd.
Es ging nicht nur darum, Preissprünge mitzunehmen, sondern auch darum, wieder ins Spiel zu kommen. Ich war über lange Zeit shortstack. Wenn du so einen Flip gewinnst, verdoppelst du dich und kannst wieder Druck machen.
Diese Spannung hat wirklich jeder gespürt – am Tisch genauso wie an der Rail.
Der Moment, in dem alle dachten, man verdoppelt
GRND on Tour: Bei einer entscheidenden Hand sah es kurz so aus, als hättest du gewonnen – bis klar wurde, dass es nur ein Splitpot war.
Felix: Ja, das war verrückt. Ich war selbst überzeugt, dass ich gewonnen habe. Das passiert mir manchmal: Man liest eine Situation falsch oder freut sich zu früh.
Ich dachte nur: bitte kein Ass, keine Dame. Ich habe gesehen, dass beides nicht kommt – aber die Neun habe ich gar nicht wahrgenommen.
Und damit war ich nicht allein. Selbst erfahrene Spieler an der Rail, wie David Kaufmann, dachten im ersten Moment, wir hätten gewonnen. Erst danach wurde klar, dass wir tatsächlich nur geteilt haben. Zum Glück ein Splitpot – sonst wäre das ein ziemlich bitterer Moment gewesen.
Emotionen gegen Professionalität
GRND on Tour: Auffällig war auch der Unterschied zwischen dir und dem späteren Sieger – emotional versus sehr kontrolliert.
Felix: Der Sieger hat absolut verdient gewonnen. Ein unglaublich starker und solider Spieler.
Man hat gemerkt, dass er durch und durch Profi ist. Er ist sehr ruhig geblieben, hat sich von nichts aus der Ruhe bringen lassen. Selbst im Siegerinterview wirkte er komplett geerdet.
Bei uns war das anders – da sind die Emotionen einfach explodiert. Und ich glaube, das ist auch der Unterschied: Ich bin eben nicht nur Pokerspieler, sondern auch Content-Creator. Dadurch erlebt man solche Momente vielleicht noch intensiver.
Ein Meilenstein nach 20 Jahren Poker
GRND on Tour: Was bedeutet dieses Ergebnis für deine Zukunft – als Spieler und Content-Creator?
Felix: Ich habe darüber natürlich schon nachgedacht. Vielleicht werde ich jetzt anders wahrgenommen am Tisch. Manche werden mehr Respekt haben, andere vielleicht weniger, weil sie gesehen haben, wie ich spiele.
Aber vor allem ist dieses Ergebnis für mich persönlich unglaublich wichtig. Nach 20 Jahren Poker habe ich endlich etwas, auf das ich wirklich stolz zurückblicken kann.
Poker bedeutet eben auch: 80 oder 90 Prozent der Zeit fliegt man enttäuscht aus Turnieren. Diese Durststrecke kennt jeder Spieler.
Und dann so einen Score zu haben – das fühlt sich fast wie eine Erlösung an.
Die Jagd nach der Trophäe geht weiter
GRND on Tour: Bleibt das große Ziel weiterhin eine Main-Event-Trophäe?
Absolut. Die Challenge bleibt gleich: Wir wollen die EPT Main Event-Trophäe.
In Monte Carlo muss ich das Main Event leider teilweise auslassen, weil ein guter Freund heiratet. Aber die anderen Turniere werde ich spielen – und die restlichen Main Events sowieso.
Blick nach vorne: Monte Carlo, Prag – oder doch wieder Paris?
GRND on Tour: Wenn du dir aussuchen könntest, wo du diese Trophäe gewinnst – welcher Ort wäre es?
Felix: Paris wäre natürlich ein schönes „unfinished business“.
Monte Carlo wäre aber auch besonders. Dort habe ich meinen ersten EPT Main Event Cash gemacht.
Und Prag wäre ebenfalls fantastisch – wegen der großen deutschen Community. Aber wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich wahrscheinlich Monte Carlo wählen.
Nächster Halt: Irish Open
GRND on Tour: Schon bald stehen die Irish Open an. Worauf freust du dich dort am meisten?
Felix: Das ist ein bisschen mein Homeground. Die Stimmung dort ist legendär – sehr locker und gesellig.
Genau das macht es aber auch schwierig. Man redet viel am Tisch, trinkt vielleicht mal ein Bier, alles ist sehr entspannt. Dadurch verliert man manchmal den Fokus.
Mein Ziel wäre es, dort endlich einmal einen Deep Run hinzulegen.
Der Praktikant ist fällig
GRND on Tour: Du hast außerdem angekündigt, einen „Praktikanten“ mitzunehmen.
Felix: Ja, der Seb ist fällig. Er wird kommentieren, mir Getränke bringen und vielleicht sogar auf der Bühne im „Crack Den“ auftreten.
Die anderen Jungs aus dem letzten Jahr sind diesmal nicht dabei – also schicken wir einfach den Praktikanten ins Rennen.
Karaoke im „Crack Den“?
Und welcher Song würde dort laufen?
Da muss ich noch überlegen. Vielleicht etwas von Falco – „Der Kommissar“.
Oder wir machen eine Poker-Version eines Songs. Da fällt uns bestimmt noch etwas ein.
Die Irish Open werden natürlich auch wieder gestreamt: Hier könnt ihr zuschauen. Alle infos und Updates erhaltet ihr auf grndpoker.de












Schreibe einen Kommentar